Der Kreistag des Landkreises Harz hat in seiner Sitzung vom 8. April 2026 ein weitreichendes Maßnahmenpaket für das Harzklinikum verabschiedet. Es umfasst drei Bausteine mit einem Gesamtvolumen von rund 39 Millionen Euro:
- Ausgleich der Jahresfehlbeträge 2024 und 2025 in Höhe von insgesamt rund 13,7 Millionen Euro, der dem Abbau des Eigenkapitals der GmbH entgegenwirkt
- Übernahme einer Bürgschaft von bis zu 15,3 Millionen Euro zur Absicherung eines gerichtlichen Vergleichs mit der Zusatzversorgungskasse (ZVK)
- Investitionsmittel von bis zu 10 Millionen Euro aus dem kommunalen Infrastruktur-Sondervermögen für die Modernisierung und Digitalisierung der Standorte
Die notwendigen Beschlüsse fasste der Kreistag jeweils einstimmig. Landrat Thomas Balcerowski wertete diese Geschlossenheit als „ein starkes Bekenntnis zum kommunalen Harzklinikum und als wichtiges Signal für eine stabile Gesundheitsversorgung der Harzer Bevölkerung“. Die Maßnahmen sichern den Fortbestand und die Handlungsfähigkeit des Klinikums.
Das Paket ist ein Kraftakt. Der Landkreis Harz selbst steht – wie alle Landkreise in Sachsen-Anhalt – vor erheblichen Haushaltsproblemen. Keiner der Kreise konnte zuletzt einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen. Der Landkreis geht mit diesem Beschluss an die Grenze seiner finanziellen Leistungsfähigkeit. Denn im gestern ebenfalls durch den Kreistag beschlossenen Kreishaushalt für das laufende Jahr gibt es ein Defizit von 20,6 Millionen Euro.
„Wir tun es, um eine ernsthafte Gefährdung der regionalen Versorgungssicherheit abzuwenden“, unterstreicht Landrat Thomas Balcerowski.
Und er ergänzt: „Wir machen das nicht, weil es einfach wäre. Wir machen es, weil es notwendig ist. Der Zusammenbruch der medizinischen Versorgung in unserer Region wäre eine Katastrophe, die wir nicht zulassen können.“
Balcerowski dankte dem Kreistag für diesen Beschluss. Er sei ein klares Bekenntnis – zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, zu den Patienten und zu den rund 2.400 Beschäftigten, die im Harzklinikum-Konzern arbeiten.
Die Verluste der Jahre 2024 und 2025 sind kein Ergebnis unternehmerischen Versagens. Sie sind Ausdruck eines vielschichtigen Problems, das Krankenhäuser deutschlandweit trifft. Das Land Sachsen-Anhalt hat das Harzklinikum über drei Jahrzehnte mit mehr als 100 Millionen Euro Investitionsmitteln gefördert – das verdient ausdrückliche Anerkennung. Gemessen an jährlich rund 30.000 stationären Fällen entspricht das im Schnitt gut 110 Euro je stationärem Patientenfall pro Jahr. Doch der Investitionsbedarf eines modernen Schwerpunktversorgers ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – bei Baukosten, Energie und Sachaufwand gleichermaßen.
Hinzu kommt die Personalseite. Der vorletzte Tarifabschluss mit ver.di hat das Harzklinikum allein über drei Jahre mit rund 10 Millionen Euro belastet. Dieser Abschluss war richtig und notwendig: Ohne wettbewerbsfähige Gehälter lässt sich qualifiziertes Pflegepersonal und ärztliches Fachpersonal in einer ländlichen Region weder halten noch gewinnen. Das Problem liegt nicht im Tarifabschluss selbst, sondern darin, dass die gesetzlichen Refinanzierungsmechanismen Kostensteigerungen dieser Größenordnung nur zum Teil abdecken. Ein nicht unerheblicher Betrag verbleibt als Verlust direkt beim Klinikum – und summiert sich über Jahre.
Das Harzklinikum hat intern konsequent gegengesteuert: Doppelstrukturen wurden abgebaut, Leistungen an spezialisierten Standorten gebündelt und der ambulante Bereich neu ausgerichtet.
Die Bürgschaft von bis zu 15,3 Millionen Euro durch den Landkreis Harz markiert zugleich einen wichtigen Schritt. Ein langjähriger Rechtsstreit mit der Zusatzversorgungskasse (ZVK) wird durch einen gerichtlichen Vergleich abgeschlossen. Die bislang bestehenden Unsicherheiten hinsichtlich der Zahlungsverpflichtungen sind damit geklärt; zugleich wurde ein Weg gefunden, die Forderung schrittweise zu begleichen.
Die Investitionsmittel von bis zu 10 Millionen Euro fließen in die Stärkung der ambulanten Versorgung der Patienten im Landkreis Harz. Schwerpunkte sind der Ausbau ambulanter Angebote, die Erweiterung der Radiologie, Investitionen in Terminvergabe und Patientensteuerung, zusätzliche Kapazitäten im Schlaflabor, moderne Laborrobotik sowie eine sektorenübergreifende IT-Infrastruktur.
Unabhängig von diesen kurzfristig wirksamen Maßnahmen halten der Landkreis Harz und sein kommunales Harzklinikum an dem Ziel fest, die Krankenhausversorgung im Versorgungsgebiet West in Sachsen-Anhalt langfristig strukturell neu aufzustellen. Dazu gehört insbesondere die perspektivische Entwicklung eines Zentralklinikums, das eine moderne, leistungsfähige und wirtschaftlich tragfähige Versorgungsstruktur ermöglichen soll.
Der Landkreis Harz und sein kommunales Harzklinikum werden diesen Weg gemeinsam weiterverfolgen und die notwendigen konzeptionellen Voraussetzungen schaffen, um eine solche Struktur schrittweise zu realisieren.
Das Harzklinikum versorgt jährlich rund 100.000 Patientenfälle: über 30.000 stationär und rund 70.000 ambulant. Es betreibt 22 Fachkliniken und elf medizinische Zentren, sieben davon zertifiziert. Diese Investitionen sichern das Versorgungsniveau auch unter den Bedingungen der laufenden bundesweiten Krankenhausreform.
„Mit den Beschlüssen des Kreistages erhalten wir die Grundlage, das Harzklinikum so weiterzuentwickeln, wie es die Menschen im Harz verdienen: moderne und verlässliche Medizin“, erklärte Dr. Matthias Voth, Geschäftsführer des Harzklinikums.
„Wir sind uns der Verantwortung bewusst, die mit dieser Unterstützung einhergeht, und werden den eingeschlagenen Konsolidierungskurs konsequent fortsetzen. Die über 120-jährige Geschichte dieses Hauses verpflichtet uns – und sie bestärkt uns“, so Voth weiter.
Das Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben GmbH ist mit einem Konzernumsatz von rund 200 Millionen Euro und rund 2.400 Beschäftigten einer der bedeutendsten Arbeitgeber der Region. Seit der Kreisgebietsreform von 2007 trägt der Landkreis Harz die alleinige Gesellschafterverantwortung für dieses Haus – und damit Verantwortung für die medizinische Grundversorgung von rund 207.000 Menschen im Landkreis Harz und darüber hinaus.
Unter den Mitarbeitern befinden sich rund 280 Ärztinnen und Ärzte; etwa 100 von ihnen haben ihre medizinische Ausbildung im Ausland absolviert und leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung der Versorgung im Landkreis Harz. Das Klinikum ist ein wichtiger Schwerpunktversorger und sichert gemeinsam mit der Tochtergesellschaft Medizinisches Zentrum Harz GmbH eine flächendeckende ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung.
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