Quedlinburg, 6. Februar 2026 – Das Harzklinikum bewertet die aktuellen Ergebnisse des Deutschen Herzberichts – Update 2025 für Sachsen-Anhalt. Der Bericht ist der wichtigste in Deutschland seiner Art und zeigt eine Verbesserung der Herzinfarkt-Mortalität, also der Sterblichkeit infolge eines akuten Herzinfarkts. Gleichzeitig wird deutlich, dass Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich weiterhin strukturell besonders gefordert ist, sprich: Das Bundesland schlechter dasteht. Ursachen liegen vor allem in der Altersstruktur der Bevölkerung, den signifikant ausgeprägten Geschlechterunterschieden bei Herzinfarkten und einer hohen Zahl notwendiger stationärer Behandlungen auf Grund schwerster Erkrankungen.
Als kommunales Krankenhaus des Landkreis Harz mit zentraler Bedeutung für die kardiologische Akut- und Schwerpunktversorgung im Harzkreis und Sachsen-Anhalt ordnet das Harzklinikum diese Zahlen fachlich ein und stellt ihre medizinischen Hintergründe transparent dar. Im Harzklinikum werden über alle medizinischen Disziplinen hinweg jährlich rund 100.000 Patientenfälle behandelt. Im über 120 Jahre alten Klinikum arbeiten 2400 Mitarbeiter, darunter 270 Ärzte und Ärztinnen, wovon rund 100 aus dem Ausland stammen und knapp 860 Pflegefachkräfte.
Was bedeutet „Herzinfarkt-Mortalität“?
Der Deutsche Herzbericht spricht von der Mortalität des akuten Myokardinfarkts. Gemeint ist die Sterblichkeit infolge eines akuten Herzinfarkts, bezogen auf 100.000 Einwohner.
Um die deutschen Bundesländer mit unterschiedlich alten Bevölkerungsstrukturen fair vergleichen zu können, wird diese Kennzahl altersstandardisiert berechnet. Vereinfacht gesagt wird dabei so gerechnet, als hätten alle Bundesländer die gleiche Altersverteilung. So lässt sich erkennen, ob Unterschiede an der Altersstruktur liegen oder an anderen Faktoren.
Leichter Rückgang der Herzinfarkt-Sterblichkeit in Sachsen-Anhalt, aber immer noch überdurchschnittlich im Deutschlandweiten Vergleich
Nach den Angaben des Herzberichts sank die altersstandardisierte Mortalitätsrate des akuten Myokardinfarkts
- von 97 Todesfällen je 100.000 Einwohner im Jahr 2014
- auf 56 Todesfälle je 100.000 Einwohner im Jahr 2023.
Bezogen auf die Bevölkerungszahl sterben damit heute deutlich weniger Menschen an einem Herzinfarkt als noch vor zehn Jahren.
(Quelle: Deutscher Herzbericht – Update 2025, Kapitel 2.7 und 2.8, Seiten 33–35, Abbildungen 2/6 und 2/8; Datengrundlage: Statistisches Bundesamt)
Einordnung im bundesweiten Vergleich
Zum Vergleich lag die altersstandardisierte Mortalitätsrate des akuten Myokardinfarkts (gesamt) im Jahr 2023 in Gesamt-Deutschland bei 46 Todesfällen je 100.000 Einwohner. Sachsen-Anhalt lag mit 56 Todesfällen je 100.000 Einwohner weiterhin darüber.
Diese Zahl ist kein Alltagsdurchschnitt, sondern ein statistischer Vergleichswert, der ausschließlich dazu dient, Bundesländer mit unterschiedlicher Altersstruktur vergleichbar zu machen.
(Quelle: Deutscher Herzbericht – Update 2025, Kapitel 1.3, Seite 25, Tabelle 1/7 C)
Der Herzbericht ordnet Sachsen-Anhalt damit trotz der positiven Entwicklung weiterhin der Gruppe der Bundesländer mit erhöhter Herzinfarkt-Mortalität zu.
(Quelle: Kapitel 2.10, Seite 36, Abbildung 2/8)
Warum die Werte in Sachsen-Anhalt höher liegen
und warum das kein Hinweis auf schlechte Kliniken ist
Der Deutsche Herzbericht betont ausdrücklich, dass Unterschiede in Sterblichkeit und Behandlungszahlen keine Aussagen über die Qualität einzelner Krankenhäuser zulassen. Sie spiegeln vielmehr demografische, gesundheitliche und strukturelle Rahmenbedingungen in den Regionen wider.
Altersstruktur der Bevölkerung
Sachsen-Anhalt weist eine im Bundesvergleich überdurchschnittlich alte Bevölkerung auf. Höheres Lebensalter ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beeinflusst sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere von Herzinfarkten.
(Quelle: Deutscher Herzbericht – Update 2025, Kapitel 1.3, Seiten 24–26)
Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Im Jahr 2023 lag die altersstandardisierte Herzinfarkt-Mortalität in Sachsen-Anhalt bei 81 Todesfällen je 100.000 Einwohner bei Männern und bei 32 Todesfällen je 100.000 Einwohner bei Frauen.
Zum Vergleich lagen die Werte in Deutschland gesamt bei 63 (Männer) und 29 (Frauen) Todesfällen je 100.000 Einwohner. Der deutlich höhere Männeranteil trägt damit wesentlich zur Gesamtbelastung in Sachsen-Anhalt bei.
(Quelle: Deutscher Herzbericht – Update 2025, Kapitel 1.3, Seite 25, Tabelle 1/7 C)
Hohe stationäre Behandlungszahlen
Der Herzbericht weist zudem eine erhöhte vollstationäre Hospitalisationsrate bei akutem Myokardinfarkt aus. Dieser Fachbegriff beschreibt, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner wegen eines Herzinfarkts stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen, also mit mindestens einer Übernachtung.
- Sachsen-Anhalt: 201 stationäre Behandlungen je 100.000 Einwohner
- Deutschland gesamt: 198 stationäre Behandlungen je 100.000 Einwohner
(Quelle: Deutscher Herzbericht – Update 2025, Kapitel 2.9, Seite 36, Abbildung 2/7)
Zusätzlich weist Sachsen-Anhalt eine erhöhte Zahl stationärer Behandlungen bei Herzinsuffizienz auf. Herzinsuffizienz bezeichnet eine chronische Herzschwäche und ist häufig eine Folge früherer Herzinfarkte.
(Quelle: Deutscher Herzbericht – Update 2025, Kapitel 1.2 und 1.3, Seite 18, Abbildung 1/5)
Aus der Kombination von höherem Lebensalter, ausgeprägten Geschlechterunterschieden und erhöhter stationärer Behandlungsdichte ergibt sich die im Herzbericht beschriebene erhöhte kardiovaskuläre Krankheitslast in Sachsen-Anhalt.
(Herleitung: Kapitel 1.2–1.3, Seiten 18, 24–25; Kapitel 2.9–2.10, Seite 36)
Rolle des Harzklinikums in dieser Versorgungslage
Vor diesem strukturellen Hintergrund kommt dem Harzklinikum im Harzkreis eine zentrale Rolle zu. In der Klinik für Innere Medizin, Kardiologie und Diabetologie werden jährlich über 6.200 Patienten stationär behandelt (https://harzklinikum.com/klinik-fuer-innere-medizin-kardiologie-und-diabetologie/kardiologie/).
Rund 1.000 dieser Behandlungen entfallen auf perkutane Koronarinterventionen (PTCA). Dabei handelt es sich um minimalinvasive Herzkatheter-Eingriffe, mit denen verengte Herzkranzgefäße wieder geöffnet werden.
Darüber hinaus bietet das Harzklinikum kathetergestützte Klappeneingriffe, Implantationen von Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) sowie elektrophysiologische Eingriffe zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Im Bereich Elektrophysiologische erhält das Harzklinikum Unterstützung durch Dr. med. Conrad Genz. Er war in den vergangenen Jahren Leiter der Elektrophysiologie am Universitätsklinikum Magdeburg. Die Harzklinikum-Kardiologie ist als interventionelles Ausbildungszentrum der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) anerkannt.
(Quelle: Eigene Leistungsdaten Harzklinikum; DGK-Zertifizierung)
Berücksichtigen Sie bitte auch unsere diversen Chefarzt-Interviews auf unseren Social Media Kanälen wie z.B. TikTok:
https://www.tiktok.com/@harzklinikum
oder hier ein Gespräch mit Kardio-Oberarzt Jens Fabian, das fast 100.000 Aufrufe hat:
https://www.tiktok.com/@harzklinikum/video/7582578887427738913
Stimmen aus dem Harzklinikum
„Die Zahlen des Herzberichts zeigen, dass wir in Sachsen-Anhalt trotz deutlicher Fortschritte weiterhin vor besonderen medizinischen Herausforderungen stehen. Entscheidend ist, dass Patienten im Akutfall schnell in erfahrenen Zentren versorgt werden“, sagt Dr. Sven Fischer, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Kardiologie und Diabetologie.
Der Ärztliche Direktor des Harzklinikums ergänzt: „Mortalitätszahlen sagen nichts über die Qualität einzelner Kliniken aus. Sie zeigen vielmehr, wie wichtig leistungsfähige Strukturen, ausreichende Fallzahlen und spezialisierte Teams sind, insbesondere in Regionen mit älterer Bevölkerung und hoher Krankheitslast“, erklärt Dr. Thomas Bartkiewicz.
Methodischer Hinweis
Der Deutsche Herzbericht weist ausdrücklich darauf hin, dass Mortalitäts- und Hospitalisationsdaten nicht zur Bewertung einzelner Krankenhäuser geeignet sind. Unterschiede zwischen Bundesländern sind im Kontext von Demografie, Gesundheitszustand der Bevölkerung und Versorgungsstrukturen zu interpretieren.
(Quelle: Deutscher Herzbericht – Update 2025, Kapitel 2.10, Seite 36, Abschnitt „Interpretation der Daten“).
und dann auf "Zum Startbildschirm hinzufügen"