Die Zahl ergibt sich aus einer modellhaften Hochrechnung: Für Sachsen-Anhalt weist das Klinische Krebsregister im Mittel der Jahre 2020/2021 rund 2.000 Neuerkrankungen pro Jahr aus. Bezogen auf die männliche Bevölkerung des Landes entspricht dies einer Inzidenz von rund 190 Neuerkrankungen pro 100.000 Männer und Jahr. Übertragen auf die rund 100.500 männlichen Einwohner des Landkreises Harz ergibt sich eine Größenordnung von etwa 190 bis 195 Neuerkrankungen jährlich. Die tatsächlichen Fallzahlen können je nach Altersstruktur und Diagnostikquote abweichen, verdeutlichen jedoch die Relevanz der Erkrankung in der Region.
Leitlinien stärken Prostata-MRT vor Biopsie
Hintergrund des Ausbaus sind auch neue medizinische Empfehlungen. Mit der Aktualisierung der S3-Leitlinie Prostatakarzinom im August 2025 – der höchsten Qualitätsstufe medizinischer Leitlinien in Deutschland – wird die Rolle der Prostata-MRT deutlich gestärkt. Demnach soll bei Patienten mit Verdacht auf Prostatakrebs vor einer Biopsie regelhaft eine MRT-Untersuchung erfolgen.
Ziel ist es, unnötige invasive Eingriffe zu vermeiden und die Diagnostik gezielter zu steuern. Bislang war es häufig Praxis, bei auffälligen PSA-Werten rasch eine Biopsie, also eine Gewebeentnahme durch Einstiche in die Prostata, durchzuführen – ein Eingriff, der für Patienten mit Belastungen und Risiken wie Blutungen oder Infektionen verbunden sein kann.
MRT kann Biopsien verhindern – entscheidender Vorteil für Patienten
Im Institut für Radiologie des Harzklinikums verantwortet Dr. med. Torsten Köhlitz, Oberarzt der Radiologie, den Ausbau der Prostata-MRT. Dr. Köhlitz ist seit fünf Jahren am Harzklinikum tätig und wurde in diesem Verfahren an der Charité – Universitätsmedizin Berlin ausgebildet; dort erwarb er auch die entsprechende Zertifizierung der Deutschen Röntgengesellschaft.
„Der entscheidende Vorteil für den Patienten ist, dass wir mit der MRT in vielen Fällen eine Biopsie verhindern können“, erklärt Dr. Köhlitz. „Die Untersuchung dauert rund 35 Minuten, ist nicht invasiv und hilft uns, Patienten herauszufiltern, bei denen eine Gewebeentnahme nicht notwendig ist.“
Studien zeigen zudem, dass die Prostata-MRT Tumoren sichtbar machen kann, die bei einer klassischen Biopsie nicht gefunden worden wären – etwa weil sie in schwer zugänglichen Bereichen der Prostata liegen. Nach Angaben von Dr. Köhlitz betrifft dies bis zu 20 Prozent der diagnostizierten Prostatakrebserkrankungen. Der diagnostische Fokus der MRT liegt dabei insbesondere auf der Identifikation klinisch relevanter, aggressiver Tumoren, bei denen eine zeitnahe Therapie für den Patienten sinnvoll ist.
Kapazitäten werden deutlich ausgebaut
Das Harzklinikum reagiert auf die steigende Nachfrage und baut die Kapazitäten für Prostata-MRTs deutlich aus. Während zuvor vier bis fünf Untersuchungen pro Woche durchgeführt wurden, ist das MRT-Gerät am Standort Quedlinburg inzwischen einen festen Tag pro Woche ausschließlich für Prostata-MRTs reserviert. Ziel ist es, die Zahl der Untersuchungen zu verdreifachen. Die aktuelle Wartezeit für Patienten, die von niedergelassenen Urologen überwiesen werden, liegt bei rund zwei Wochen.
Perspektivisch ist zudem die Anschaffung eines neuen MRT-Geräts vorgesehen, um die Untersuchungen noch schneller und in größerem Umfang anbieten zu können.
Erkrankung des höheren Lebensalters
Epidemiologische Daten zeigen, dass Prostatakrebs vor dem 50. Lebensjahr selten ist. Das Erkrankungsrisiko steigt deutlich ab etwa 60 Jahren an und erreicht seinen Höhepunkt in den 70er-Jahren. Besonders betroffen ist die Altersgruppe zwischen 50 und 70 Jahren. Fachleute gehen davon aus, dass der demografische Wandel die Bedeutung einer präzisen und differenzierten Diagnostik weiter erhöhen wird.
Medizinische Versorgung in kommunaler Verantwortung
Das Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben (Harzklinikum) ist ein kommunales Krankenhaus des Landkreises Harz in Sachsen-Anhalt. An den Standorten Quedlinburg, Wernigerode und Blankenburg arbeiten rund 2.300 Mitarbeiter, darunter 280 Ärztinnen und Ärzte, darunter 25 Prozent aus dem Ausland.
Mit dem Ausbau der Prostata-MRT reagiert das Harzklinikum auf eine Erkrankung, die jährlich hunderte Männer allein in der Region betrifft, und stärkt eine präzisere, schonendere und leitliniengerechte Diagnostik – mit einem klaren Vorteil für die Patienten.
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