Dorothea Christiane Erxleben

Als ein begabtes Mädchen mit außerordentlichem Interesse an naturwissenschaftlichen Studien ist Dorothea Christiane Leporin in Quedlinburg vor knapp 300 Jahren aufgewachsen. Die Tochter von Anna Sophia Leporin und dem Ascherslebener Arzt und späteren Stadtphysikus von Quedlinburg, Christian Polykarb Leporin, erhält eine umfassende Ausbildung in Latein, in Naturwissenschaften, in praktischer und theoretischer Medizin. Trotz ihres breiten medizinischen Wissens wird Dorothea Christiane Leporin der Zugang zur Universität verwehrt. Auf die Bitte ihres Vaters hin weist der Preußenkönig Friedrich der Große die Universität Halle an, die Quedlinburgerin zur Promotion zuzulassen.
Da Dorothea Christiane Leporin inzwischen den verwitweten Diakon Johann Christian Erxleben geheiratet hat, nimmt sie das königliche Privileg vorerst nicht in Anspruch. Sie erzieht die fünf Kinder ihres Mannes und hat mit ihm weitere vier gemeinsame Kinder.
Als sie in Quedlinburg als Ärztin zu praktizieren beginnt, halten ihr männliche Kollegen vor, sie sei eine Dilletantin, verfüge sie doch über keine formelle universitäre Ausbildung.
Es kommt noch ärger: Sie erhält eine Anzeige wegen „medicinischer Pfuscherey“, nachdem eine Patientin verstirbt. Daraufhin entschließt sich die 39-jährige Dorothea Christiane Erxleben unmittelbar nach der Geburt ihres vierten Kindes, ihre Promotion nachzuholen. Im Januar 1754 reicht sie ihre Dissertation ein, unter dem Titel Academische Abhandlung von der gar zu geschwinden und angenehmen, aber deswegen öfters unsichern Heilung der Krankheiten auf Deutsch veröffentlicht
, und im Mai desselben Jahres legt sie an der Universität Halle mit großem Erfolg ihr Promotionsexamen ab.
Nach der Promotion führt sie in ihrer Heimatstadt Quedlinburg ihr Leben wie bisher:
Dr. Dorothea Christiane Erxleben kümmert sich um ihre Kinder, führt den Haushalt und behandelt ihre Patienten, bis zu ihrem Tod im Jahr 1762.